20140824

mein bester freund und mitbewohner, der zur zeit bei uns zu hause arbeitet, war übers wochenende da. wir haben im grunde recht viel unternommen, zwar nur kleinigkeiten; waren spazieren, sind zu ikea gefahren, haben einen neuen küchentisch in strömendem regen heimgetragen. heute nachmittag ist er wieder zurück gefahren und plötzlich kam eine irrsinnig lange nachricht von ihm, er habe im zug nachgedacht und sei zu dem entschluss gekommen, er würde jetzt das ziel verfolgen, ins vereinigte königreich zu ziehen wenn er mit seinen studien fertig ist - dies wird relativ bald der fall sein, womöglich in 2 jahren, vielleicht sogar in einem. es ist im grunde eine unüberlegte, impulsive lebensplanung die er mir da urplötzlich vorgelegt hat, aber trotzdem kam das für mich wie ein kleiner schlag ins gesicht. ich hatte diese möglichkeit nie in betracht gezogen und ihn für selbstverständlich an meiner seite hier in der österreichischen hauptstadt vermutet, und jetzt ist dieser plan ganz groß in seinem kopf. und ich würde es ihm wünschen. ich weiß, dass es gut für ihn wäre, dass es ein risiko wäre, dass er bereit ist, einzugehen und dass es sich für ihn lohnen könnte. aber es tat weh zu realisieren, dass wir uns (trotz nur 2 jahre altersunterschied) in völlig anderen lebenslagen befinden. er denkt daran, abzuschließen. nicht nur mit seinen studien, sondern auch mit wien. mit seinem leben hier. mit allem. ich hingegen stehe kurz davor, ein neues studium (4 jahre mindest!studienzeit) und ein kolleg (2 jahre) zu beginnen und stehe somit vor einem anfang. ich bin bereit, mir hier endlich etwas aufzubauen. endlich freunde zu finden und endlich mehr zu leben - hier. wie fühle ich mich jetzt? wohl irgendwie vor den kopf gestoßen. dumm, weil ich es für selbstverständlich gehalten hatte dass wir für noch längere zeit in derselben wohnung, oder zumindest in derselben stadt, wohnen würden. wir uns ständig sehen könnten, ein so gutes verhältnis haben wie wir es jetzt tun - auf noch längere zeit. doch jetzt ist die zeit überschaubar, und vielleicht steigere ich mich etwas in die ganze sache hinein. immerhin ist das ja doch mehr ein wunschtraum von ihm der an vielen punkten scheitern könnte, zb an seinen finanzen. es ist ja nicht so, dass es sicher wäre oder dass man genau sagen kann, wann er nun mit seinen studien abschließt. aber es geht gerade ums prinzip: dass er daran denkt zu gehen und ich daran denke zu bleiben - auch gezwungenermaßen. was ist, wenn nichts so wird, wie ich es mir vorstelle? wenn ich zur außenseiterin werde und ich weiterhin keine freunde finde und ich mit meinen neuen studien nicht glücklich werde? was dann? was ist, wenn er mich allein lässt und ich noch nicht bereit dazu bin allein hier zu überleben? er ist derjenige der mich in den letzten monaten davor bewahrt hat ernsthaft krank zu werden. weil ich ihn immer an meiner seite wusste und wenn ich einsam war wusste ich, er kommt später ja noch heim. alles ist gut. was ist, wenn sich das ändert und zwar schneller als gedacht? und obwohl ich es ihm gönnen würde, obwohl ich im grunde will, dass er glücklich wird und obwohl ich ja theoretisch nachkommen könnte... ich habe riesengroße angst vor der zukunft und finde es erschreckend, wie weit wir (mental) auseinander driften bzw. eigentlich schon voneinander entfernt sind. diese vorstellung macht mich gerade irrsinnig traurig. ich bin doch vollkommen allein ohne ihn.

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